Noch ist der Tag ganz still.
Vielleicht steht die erste Tasse Kaffee oder Tee vor dir. Vielleicht scheint schon die Sonne durchs Fenster. Vielleicht ist draußen auch einfach nur dieses ganz normale Morgengrau, bei dem man noch nicht so recht weiß, was der Tag eigentlich vorhat.
Und dann beginnt es
Dein erster Gedanke an das, was heute erledigt werden muss:
Dein Blick fällt aufs Handy, auf deine Termine, auf die neuesten Nachrichten und auf die Aufgaben, die gestern liegen geblieben sind.
Und ehe du richtig wach bist, bist du schon mittendrin, im Funktionieren.
Aber was wäre, wenn du dem Tag nicht sofort die Tür aufmachst?
Wenn du dir vorher ein paar Minuten schenkst, die noch niemandem gehören – außer dir?
Du musst morgens noch nichts leisten
Wir sind so daran gewöhnt, unseren Tag mit Aufgaben zu beginnen.
Was muss ich heute schaffen?
Wo muss ich hin?
Wer braucht etwas von mir?
Was darf ich auf keinen Fall vergessen?
Dabei wäre vielleicht eine ganz andere Frage viel wichtiger:
Wie geht es mir heute eigentlich?
Nicht gestern, auch nicht grundsätzlich, sondern genau jetzt.
Manchmal lautet die Antwort: wunderbar.
Manchmal lautet sie: müde.
Und manchmal ist da einfach nur dieses diffuse Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, obwohl du noch gar nicht sagen kannst, was es ist.
Auch das darf sein.
Du musst daraus nicht sofort ein Projekt machen, du darfst es zunächst einfach wahrnehmen.
Vielleicht beginnt Selbstfürsorge mit einer Tasse Tee oder Kaffee
Ich glaube, wir machen Selbstfürsorge manchmal viel komplizierter, als sie sein müsste.
Da werden Morgenroutinen entwickelt, Journaling-Fragen beantwortet, Atemübungen gemacht, Ziele visualisiert und möglichst noch vor dem Frühstück die ersten 10.000 Schritte absolviert.
Und plötzlich wird sogar die Selbstfürsorge zur nächsten Aufgabe auf der To-do-Liste.
Dabei kann sie viel kleiner sein: Eine Tasse Tee, die du tatsächlich trinkst, solange sie noch warm ist, ein geöffnetes Fenster, drei tiefe Atemzüge.
Ein paar Minuten auf dem Balkon, dein Blick in den Himmel, oder einfach fünf Minuten, in denen du gar nichts machst.
Nicht einmal besonders achtsam, du sitzt einfach da und das reicht.
Dein Körper ist morgens oft schon einen Schritt weiter
Noch bevor dein Kopf seine Tagesplanung abgeschlossen hat, weiß dein Körper häufig ziemlich genau, wie es ihm geht.
Vielleicht fühlst du dich leicht und voller Energie, vielleicht sind die Schultern schon angespannt, vielleicht ist dein Bauch unruhig, vielleicht bist du erschöpfter, als du es nach einer Nacht eigentlich sein möchtest.
Wir neigen dazu, solche Signale sofort zu bewerten.
Das geht heute aber nicht.
Ich habe doch so viel vor.
Ich muss trotzdem.
Vielleicht darf an dieser Stelle ein neuer Satz entstehen:
„Ich habe dich bemerkt.“
Mehr musst du in diesem Moment gar nicht tun, denn zwischen etwas wahrnehmen und etwas sofort lösen müssen liegt ein großer Unterschied.
Nicht jeder Morgen braucht denselben Rhythmus
Es gibt Tage, da darf der Araber in uns losrennen.
Die Ideen sprudeln, die Energie ist da und wir könnten gefühlt drei Projekte gleichzeitig beginnen. Dann: wunderbar: Tor auf. Los geht's.
Und dann gibt es diese anderen Tage. Da steht der innere Ackergaul schon morgens neben uns, schaut uns sehr gelassen an und scheint zu sagen: Heute machen wir mal langsam.
Vielleicht sollten wir ihm öfter zuhören, denn Selbstfürsorge bedeutet nicht, jeden Tag möglichst ruhig zu verbringen. Sie bedeutet auch nicht, sich ständig zu schonen.
Für mich bedeutet sie vielmehr:
Zu bemerken, was heute möglich ist – und nicht ständig gegen mich selbst zu arbeiten.
Drei Fragen für deinen Morgenmoment
Vielleicht möchtest du dir deshalb morgens nicht noch eine neue Routine auferlegen.
Sondern nur drei kleine Fragen mit in den Tag nehmen:
Wie geht es mir gerade?
Was brauche ich heute?
Was darf heute vielleicht auch einmal warten?
Du brauchst die Antworten nicht aufzuschreiben, du musst auch daraus keinen Plan machen.
Manchmal reicht es schon, die Fragen überhaupt zu stellen.
Denn damit passiert etwas Entscheidendes: Du beginnst deinen Tag nicht bei den Erwartungen der anderen. Du beginnst ihn bei dir.
Und dann darf dein Tag kommen
Irgendwann wird natürlich auch dein Morgenmoment vorbei sein.
Deine Tasse ist leer, dein Telefon klingelt, dein Computer wird eingeschaltet.
Der Alltag klopft an die Tür.
Aber vielleicht gehst du ein kleines bisschen anders hinein: Nicht unbedingt entspannter, nicht plötzlich vollkommen ausgeglichen.
Aber mit dem Gefühl:
Ich war heute schon einmal bei mir, bevor ich für alles andere da war.
Und vielleicht ist genau das dein kleiner Anker für deinen Tag.
Du brauchst dafür keine perfekte Morgenroutine, keine Stunde Meditation, keinen Sonnenaufgang am Meer, obwohl ich gegen Letzteren natürlich nichts einzuwenden hätte.
Du brauchst eigentlich nur einen kleinen Moment: Deinen Morgenmoment.
Bevor der Tag etwas von dir will, gehörst du erst einmal dir.
Und wie ist es bei dir?
Wie beginnt dein Morgen – eher mit einem ruhigen Moment für dich oder schon mit dem Gefühl, dem Tag hinterherzulaufen?
Wenn du magst, erzähl mir in den Kommentaren, was dir morgens guttut. Vielleicht ist es gar keine perfekte Routine, die wir brauchen, sondern nur ein kleiner Moment, der wirklich uns gehört.
Der Leuchtturm leuchtet. Den Weg gehst du selbst.
Nimm dir mit, was dir heute gut tut.
