Vielleicht ist dein Leben gar nicht schlecht. Vielleicht fehlt dir trotzdem etwas.

Du hast ein Dach über dem Kopf, Menschen, die dir wichtig sind.

Vielleicht einen Partner, eine Familie, eine Arbeit, ein Zuhause.

Es gibt vieles, für das du dankbar sein kannst.

Und vermutlich bist du es auch.

Aber dann gibt es diese leisen Momente.

Vielleicht morgens vor dem Spiegel oder abends, wenn endlich niemand mehr etwas von dir möchte.

Oder an einem dieser Tage, an denen eigentlich alles in Ordnung ist – und du trotzdem plötzlich denkst:

War das jetzt alles?

Und kaum ist dieser Gedanke da, kommt schon der nächste hinterher:

Sei doch dankbar.

Andere wären froh, wenn sie dein Leben hätten.

Also schiebst du das Gefühl wieder weg, schließlich willst du nicht undankbar sein.

 Und vielleicht fragst du dich sogar, ob du dankbar sein und trotzdem unzufrieden mit einem Teil deines Lebens sein darfst.


Dankbarkeit ist etwas Wunderschönes

Ich glaube tatsächlich, dass Dankbarkeit unseren Blick verändern kann.

Sie lässt uns Dinge wieder sehen, die im Alltag selbstverständlich geworden sind.

Das warme Bett, eine Hand, die nach unserer greift.

Ein Gespräch, ein Sonnenstrahl auf dem Küchentisch oder einen Menschen, den wir lieben.

All diese kleinen und großen Dinge verdienen es, wahrgenommen zu werden.

Aber Dankbarkeit wird schwierig, wenn wir sie benutzen, um etwas anderes nicht mehr fühlen zu müssen.


Wenn aus „Ich bin dankbar“ plötzlich „Ich darf mir nichts anderes wünschen“ wird.

Dann ist Dankbarkeit keine offene Tür mehr, dann wird sie zu einer sehr höflichen Art, sich selbst zum Schweigen zu bringen.


Eigentlich habe ich doch alles …

Vielleicht kennst du diesen Satz.

Eigentlich habe ich doch alles.

Eigentlich.

Dieses kleine Wort finde ich spannend, denn manchmal steht hinter diesem „eigentlich“ ein ganzes Leben, das nach außen vollkommen in Ordnung aussieht.

Und irgendwo darin sitzt eine Frau, die sich selbst ein bisschen verloren hat.

Sie funktioniert, sie kümmert sich und sie organisiert.

Sie denkt an Geburtstage, Termine, Einkäufe und daran, ob noch genügend Milch im Kühlschrank steht.

Sie fragt andere, wie es ihnen geht, und irgendwann merkt sie vielleicht:

Mich selbst habe ich schon lange nicht mehr gefragt.

Dankbar sein für das was ist - Blogartikel

Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein

Vielleicht liebst du deine Familie von ganzem Herzen, und  du vermisst die Frau, die du einmal warst.

Vielleicht bist du dankbar für deinen Partner, und du fühlst dich manchmal allein.

Vielleicht hast du einen sicheren Beruf, und etwas in dir wird schon lange nicht mehr lebendig, wenn du morgens zur Arbeit gehst.

Vielleicht hast du ein schönes Zuhause, und träumst heimlich davon, noch einmal ganz woanders anzufangen.

Vielleicht ist dein Leben gut, und du möchtest trotzdem etwas verändern.

Das eine nimmt dem anderen nichts weg.


Deine Sehnsucht macht deine Dankbarkeit nicht kleiner und deine Dankbarkeit verpflichtet dich nicht dazu, jede Sehnsucht zu begraben.


Vielleicht ist Sehnsucht kein Zeichen von Undankbarkeit

Vielleicht ist sie ein Wegweiser, ein kleines Licht irgendwo draußen.

Zwar noch weit entfernt, aber vielleicht kannst du noch gar nicht genau erkennen, wohin es dich führen möchte.

Aber du siehst, dass da etwas leuchtet.

Und vielleicht besteht deine Aufgabe zunächst gar nicht darin, sofort loszulaufen.

Vielleicht darfst du einfach einmal hinschauen.

Was fehlt mir eigentlich?

Nicht: Was sollte mir fehlen?

Nicht: Was würden andere an meiner Stelle wollen?

Sondern: Wonach sehne ich mich, wenn ich niemandem erklären müsste, warum?


Eine kleine Übung für dich

Nimm dir irgendwann heute ein Blatt Papier.

Mach in der Mitte einen Strich, auf die eine Seite schreibst du:

Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Und auf die andere:

Davon wünsche ich mir mehr in meinem Leben.

Und dann schreib! Nicht schön, auch nicht vernünftig.

Nicht so, wie eine dankbare, erwachsene Frau vermeintlich antworten sollte.

Sondern ehrlich.

Vielleicht steht links: meine Kinder, mein Zuhause, meine Gesundheit, meine Freunde.

Und rechts steht vielleicht: Zeit, Ruhe, Abenteuer, Berührung, gesehen werden.

Etwas nur für mich, wieder lachen, etwas Neues anfangen, Freiheit.

Und wenn du fertig bist, schau dir beide Seiten an.

Du wirst vielleicht entdecken, dass sie sich überhaupt nicht widersprechen.

Du kannst dankbar für das sein, was da ist und gleichzeitig liebevoll anerkennen, was noch fehlt.

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Du musst heute nichts verändern

Das ist mir wichtig. Nur weil du eine Sehnsucht entdeckst, musst du nicht morgen dein Leben auf den Kopf stellen.

Du musst keinen Job kündigen, keine Beziehung beenden, keinen Camper kaufen und Richtung Portugal verschwinden.

Obwohl … der Camper darf natürlich trotzdem auf der Liste stehen. 😉

Manchmal ist der erste Schritt viel kleiner.

Aufhören, sich selbst auszureden, was man fühlt.

Vielleicht darf eine Sehnsucht erst einmal einfach da sein: ohne Plan, ohne Entscheidung, ohne Rechtfertigung.


Vielleicht braucht auch deine Sehnsucht einen Leuchtturm

Ein Leuchtturm zieht kein Schiff an einem Seil in den Hafen.

Er läuft ihm auch nicht entgegen.

Er sagt nicht:

Du musst hierher.

Er leuchtet.

Damit du sehen kannst, wo du bist.

Und vielleicht ist Ehrlichkeit manchmal genau das.

Ein Licht.

Sie sagt dir nicht sofort, welchen Weg du gehen sollst.

Aber sie hilft dir zu erkennen, wo du gerade stehst.

Und wo vielleicht etwas auf dich wartet, das du lange nicht mehr angesehen hast.

Du darfst dein Leben lieben und dir trotzdem Veränderung wünschen.


Du darfst dankbar sein und Sehnsucht haben.

Du darfst glücklich sein und trotzdem spüren, dass etwas fehlt.

Vielleicht ist das kein Widerspruch, sondern einfach menschlich.


Und wie ist es bei dir?

Wenn du heute diese beiden Spalten ausfüllen würdest – welche wäre leichter?

Wofür bin ich dankbar?

Oder:

Wonach sehne ich mich?

Du musst die Antwort niemandem zeigen, aber dir selbst darfst du deine Sehnsüchte zugestehen.

Der Leuchtturm leuchtet. Den Weg gehst du selbst.

Nimm dir mit, was dir heute gut tut.

⚓ Ein Lichtpunkt für deinen Weg

Vielleicht war zwischen diesen Zeilen genau der Gedanke, den du heute gebraucht hast. Und vielleicht wartet gleich nebenan schon der nächste Lichtpunkt auf dich.

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